Liebe Leserinnen und Leser,
heute geht es ausnahmsweise nicht um Politik oder internationale Beziehungen, sondern um eines meiner „Nerd“-Themen: Die Fliegerei.
Zufällig stieß ich bei Instagram vor ein paar Tagen auf die Seite Jetcraft. Der Flugzeug-Broker schreibt auf seiner Website: „Gestützt auf unsere einzigartige Kombination aus Transaktionsdaten und firmeneigenen Tools, die unsere erfahrenen Analysten in branchenführende Marktinformationen umwandeln, ist unser gesamtes Unternehmen darauf ausgerichtet, genau den richtigen Käufer für Ihr Flugzeug zu finden.“
Und tatsächlich kam mir ein Flugzeug doch sehr bekannt vor. Es handelt sich um einen ehemaligen Regierungsflieger der Flugbereitschaft der Deutschen Luftwaffe. Einen Airbus A340, der unter dem Namen „Theodor Heuss“ mit dem Kennzeichen 16+02 geflogen ist.
Der Verkäufer wirbt mit einem umfangreichen Katalog sowie mit einem Video auf seiner Website. Es heißt:
Ehemaliges Flugzeug der deutschen Luftwaffe, getauft auf den Namen „Theodor Heuss“ – eines von zwei A340-Flugzeugen, die den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten beförderten
Ausgeliefert mit neuer, komplett weißer Außenlackierung
Ausgeliefert mit frisch durchgeführten C- und D-Inspektionen
VVIP-Innenausstattung für 145 Passagiere
Reichweite von über 7.000 nm
Ich kenne den Flieger, weil ich 2022 mit dem Schwesterflugzeug der Theodor Heuss geflogen bin, der Konrad Adenauer (16+01). Damals ging es im Rahmen einer Reise (ich war Korrespondent bei ntv) mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach Israel.
Ein paar Eindrücke vom Rollfeld vor dem Regierungsterminal in Berlin:
Sowie vom Hintergrundgespräch mit Karl Lauterbach:
Das Interieur des Fliegers ist schon sehr besonders und erinnert ein bisschen an die berühmte Air Force One der USA. Mit seinen großzügigen Sitzgruppen, dunklen Holzelementen, schweren Ledersesseln und zurückhaltenden beigen Farben versprüht es einen elegant-altmodischen Charme.
Jetcraft schreibt:
Der Airbus A340-300 vereint interkontinentale Reichweite mit einer maßgeschneiderten VVIP-Konfiguration für 145 Passagiere und bietet außergewöhnlich viel Platz in der Kabine sowie eine Nonstop-Flugdauer von bis zu 15+ Stunden. Dieses Flugzeug wurde speziell für den weltweiten Privatflugbetrieb entwickelt und verfügt über eine stilvolle Executive Suite, ein Kommunikationszentrum, einen Konferenzraum und eine Lounge – damit bietet es den perfekten Rahmen für private Geschäftstreffen und Geschäftsreisen von Führungskräften.
Ausgemustert und verkauft
Nach den bekannten technischen Problemen der 16+01 „Konrad Adenauer“ auf der Reise der damaligen Bundesaußenministerin Annalena Baerbock nach Australien beschloss die Luftwaffe, die A340-Flotte schneller vollständig auszumustern. Die 16+02, die nun hier zum Verkauf steht, war davon praktisch kaum betroffen, weil ihr Ruhestand ohnehin unmittelbar bevorstand.
Kurz vor ihrer Ausmusterung im Jahr 2023 befand sich die „Theodor Heuss“ noch einmal bei Lufthansa Technik in Hamburg. Damals berichtete Business Insider, dass der Käufer eine deutsche Firma aus der Nähe von München gewesen sein soll und der Kaufpreis dem Vernehmen nach bei rund einer Million Euro lag. Das wurde allerdings nicht offiziell bestätigt.
Danach wechselte die Maschine mehrfach den Besitzer und befindet sich nun in den USA, wo sie zuletzt bei Jetcraft auftauchte.
Noch gibt es ihn also, den legendären Airbus A340, mit dem schon die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, sowie diverse Bundespräsidenten geflogen sind.
Das Modell A340, das nun auch bei der Lufthansa bald komplett ausgemustert wird, erlebt in den kommenden Jahren seine letzten Flüge. Vielleicht bleiben der ehemaligen „Theodor Heuss“ aber noch ein paar Jahre im Dienst eines neuen Besitzers, der sicherlich ein bisschen Kleingeld für den Kauf übrig haben sollte, aber sich dann an einem echten Sammlerstück erfreuen wird, das wirklich einzigartig ist.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.
Philipp Sandmann








